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"Vergeblich klopft, wer ohne Wein ist, an der Musen Pforte."
Aristoteles

Weingeschichten

20 Jahre Weinhaus und Kurt Fallnit

In den vergangenen 20 Jahren hat Kurt Fallnit viele Weingeschichten seiner Kunden gesammelt. Auch er hat seine eigene, ganz besondere Weingeschichte. Von dem im österreichischen Mostviertel gelegenen Städtchen Sierning über Detmold, Dortmund, Bremen und Münster kommt er nach Greven und eröffnet das sehr erfolgreiche und über das Münsterland hinaus bekannte Weinhaus Fallnit. In einem historischen Haus und einer überaus gemütlichen Atmosphäre lässt es sich mit dem Weinakademiker wunderbar über den Wein fachsimpeln. Und eines ist sicher: Auf jede noch so spezielle Frage gibt es eine Antwort. Das umfangreiche Wissen sammelte Kurt Fallnit unter anderem an der Weinakademie Österreich Rust, die in Kooperation mit der britischen Wine & Spirits Education Trust ein qualifiziertes Ausbildungsprogramm anbietet. Zweifelsohne ist das Weinhaus Fallnit und insbesondere sein Inhaber für viele Bürger aus dem Münsterland nicht mehr wegzudenken.

Im Interview mit Kurt Fallnit

Herr Fallnit, für die Bürger im Münsterland sind Sie ein wichtiger Teil der Region geworden – nicht nur geschäftlich, sondern auch menschlich. Sind Sie ein Münsterländer mit österreichischen Wurzeln oder ein Österreicher, der im Münsterland beheimatet ist?

Kurt Fallnit: Meine Heimat ist dort, wo meine Familie ist. Meine Kinder und meine Enkel leben hier. Auch die hiesigen Menschen haben dazu beigetragen, dass ich mich im Münsterland heimisch fühle und mich selbst als einen Teil der Gemeinschaft sehe. Sie nehmen mich an, wie ich bin. Das empfinde ich zumindest so und das tut gut.

Besonders deutlich wurde mir das, als wir vor zwei Jahren von der Überschwemmung stark betroffen waren. So viel Anteilnahme und Hilfe habe ich wirklich selten erlebt. Da standen Helfer mit einer Werkzeugkiste vor der Tür und fragten, wo sie mit anpacken können.

Ich habe im Münsterland gute Freunde gefunden.

Was ist so besonders an Ihrem Beruf?
Kurt Fallnit:
Jeder Beruf bringt ein eigenes Umfeld mit sich, das in der Natur der Sache liegt. Es wundert ja niemanden, dass ein Arzt hauptsächlich mit Kranken zu tun hat und ein Gymnasiallehrer eher mit Jugendlichen. Ich verkaufe Wein und habe häufig mit Menschen zu tun, die besondere und schöne Ereignisse erwarten. Vor allem habe ich auch mit Menschen zu tun, die Lebensfreude und Genuss empfinden. Niemand kommt zu mir, weil er muss, sondern weil er will. Das macht meinen Beruf so einzigartig.

In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach Wein stetig gestiegen und entsprechend vielfältig fällt das Angebot aus. Warum also nicht im Supermarkt kaufen?

Kurt Fallnit: Gerne erinnere ich mich an den Satz meines Dozenten auf der Graduierungsfeier, der sagte: Um ein halbes Vermögen mit Wein zu verdienen, müsse man ein ganzes Vermögen mitbringen. Winzer auf der ganzen Welt machen sich über Generationen Gedanken darüber, wie sie einen guten Wein vinifizieren und den typischen Geschmack der Region und des Weinbergs in die Flasche bekommen. Wenn man bedenkt, dass lediglich 10% der Weingebiete dafür geeignet sind, so wird schnell deutlich, wie begrenzt die Auswahl an eben diesen besonderen Weinen ist. Meine Aufgabe besteht darin, diese seltenen und hochwertigen Weine zu finden.

Ich bezeichne mich gerne als einen Entdecker. Meine Entdeckungsreisen nehmen sehr viel Zeit in Anspruch, aber sie sind sehr wertvoll für mich. Denn es sind genau die kleinen, teils unbekannten, qualitätsbewussten Familienbetriebe, die exzellente Weine in hoher Qualität liefern. Und das kann man sehen, riechen und schmecken.

Neben meinen eigenen Erfahrungen und Vorlieben partizipiere ich ebenso vom Wissen meiner Kollegen und Kolleginnen. Ich kann auf ein gutes Netzwerk zurückgreifen und durch den regelmäßigen Austausch mit anderen Weinhändlern neue Ideen entwickeln oder die Trends junger Winzer und Winzerinnen kennenlernen.

Die Menschen kommen zu Ihnen, weil Sie einen guten Wein suchen, aber über Geschmack lässt es sich nicht streiten. Der Satz mag durchaus abgenutzt sein, aber da ist doch was dran. Wie finden Sie den richtigen Wein für Ihre Kunden?

Kurt Fallnit: Meine Kunden sind Individualisten. Sie erwarten von mir Kreativität und auch Einfühlungsvermögen. Ganz abgesehen von weißen und roten Weinen, von Weinen, die insbesondere saisonal konsumiert werden, muss der Wein zu jedem meiner Kunden passen. Selbstverständlich geht es auch häufig um korrespondierende Weine. Welchen Wein wähle ich, wenn ich meine Gäste zum Spargelessen einlade und welcher Wein passt hervorragend zum Wild. Genau diese Weine finden die Kunden in meinen Weinregalen.

So unterschiedlich meine Kunden und ihre Anlässe sind, gibt es dennoch etwas, das sie alle miteinander verbindet. Sie kommen zu mir, weil sie ihre Gäste wertschätzen und ihnen etwas Gutes tun wollen.

Wie wichtig ist es, den „richtigen Riecher“ zu haben und den Geschmack der Kunden möglichst genau zu treffen?

Kurt Fallnit: Ich bin mir schon sicher, dass ein „guter Riecher“ eine Voraussetzung für den Erfolg eines Weinhändlers ist. Aber erst durch die unterschiedlichen Weingeschichten erreicht der „gute Riecher“ seine maximale Kraft, denn die Tradition und die regionalen Gepflogenheiten sind bei seiner Entwicklung die wichtigsten Begleiter. Es gibt kaum einen Kunden, der seine Weihnachtsrituale nicht mit mir teilt. Dieses Wissen bereichert mich und fließt in die Entscheidungsfindung bereits beim Einkauf der Weine. Auf diese Weise kommen die Kundenerwartungen und meine Expertise zusammen.

Letztendlich fühle ich mich als Teil der Weingeschichten meiner Kunden dafür verantwortlich, dass sie Erfolg haben. Und eines ist sicher: Über den Wein wird immer gesprochen.

20 Jahre Weinhaus Fallnit – das ist eine lange Zeit. Haben sich die Weingeschichten ihrer Kunden im Laufe der Zeit verändert?

Kurt Fallnit: Die Geschichten meiner Kunden sind die gleichen geblieben, aber sie werden anders erzählt. Die Gespräche sind mit der Zeit intensiver und auch intimer geworden. Dabei spielt es interessanterweise überhaupt keine Rolle, ob mich mit dem Kunden eine lange Geschäftsbeziehung verbindet oder er häufig bei mir einkauft. Ob Stammkunden oder Neukunden – der Wunsch nach Unverwechselbarkeit wird für alle immer bedeutender.

Und was nehmen Sie sich für die Zukunft vor?

Kurt Fallnit: Das ist schon sehr interessant, wie viele Menschen mich fragen, ob ich aufhören werde. Daran denke ich aber ganz und gar nicht. Die Zeit war noch nie so spannend und aufregend für mich, wie sie momentan ist. Ich freue mich auf die Zukunft, denn es gibt noch so viel zu entdecken. Insbesondere denke ich da an die neue Winzergeneration, bei der der Wein zum Erlebnis wird. Genau diese ausgezeichneten Weine werde ich ins Münsterland bringen.

Darüber hinaus werde ich meine Kernkompetenz noch genauer definieren und die Themen fokussieren, die für mich schon immer eine Rolle gespielt haben: Qualität, Nachhaltigkeit, Bio-Weine… Die Bedürfnisse der Kunden unterliegen einem Wandel. Meine Aufgabe wird also weiterhin sein, diese herauszufinden und in mein Angebot zu integrieren.

Was auch immer ich ändern werde, eines wird bleiben: Ich werde weiter die Weingeschichten meiner Kunden sammeln, mich an ihnen erfreuen und exzellente Weine verkaufen.

Vielen Dank für das Gespräch!